Dr. med. Olaf Templin
Ärztlicher Psychotherapeut

Die Balintgruppe

Als Balintgruppenleiter, Gruppentherapeut und Hausarzt leite ich seit 2006 Balintgruppen. Warum? Weil die kollegiale Supervision der Arzt-Patienten-Beziehung in der Balintgruppe sehr nützlich und lehrreich ist … und Spaß macht!

Ich biete zwei fortlaufende Gruppen in Lüneburg an, die jeweils am ersten und dritten Mittwoch des Monats stattfinden; im Juli und August ist Sommerpause. Die Balintgruppe ist als Qualitätszirkel von der Ärztekammer Niedersachsen anerkannt, eine Weiterbildungsermächtigung besteht. Auf Anfrage sende ich Ihnen gerne weitergehende Informationen zu.

Wie arbeiten wir in der Balintgruppe?
Die Balintgruppe ist ein psychodynamisch fundiertes Supervisionsverfahren. Sie besteht aus 8–12 Ärztinnen und Ärzten und/oder Psychologinnen und Psychologen und einem ausgebildeten Balintgruppenleiter, der die Gruppe moderiert. Gegenstand der Gruppenbetrachtung ist eine Arzt-Patienten-Beziehung, die der jeweils vorstellende Behandler erhellt und reflektiert haben möchte. Der Zeitrahmen einer Fallbearbeitung umfasst 90 Minuten. Der „Fallgeber“ beschreibt die Begegnung mit einem seiner Patienten aus der Erinnerung. Hierzu werden weder Aufzeichnungen noch eine Krankenakte verwendet.

Durch die Schilderung entsteht ein erlebnis- und gefühlsnaher Eindruck vom Referenten, vom Patienten und der Beziehung beider zueinander. Die Gruppenteilnehmer, die diesen Bericht hören, geben anschließend ihren Eindruck, ihre Gefühle und Phantasien dazu wieder. Hieraus entsteht eine komplexe Reflexion der geschilderten Beziehung. Der Vortragende bekommt Anregungen für erweiterte und ergänzende Sichtweisen: eigene „blinde Flecken“ werden damit erhellt. Die Wirkung des Behandlers auf den Patienten und seine eigenen Verhaltensmuster werden deutlicher. Die Balintarbeit bietet dadurch Selbstreflexion und Selbsterfahrung für den Behandler, die allmählich zu einer „begrenzten, aber doch wesentlichen Wandlung in seiner Persönlichkeit“ (Michael Balint) führen kann.

Daneben wird die Fähigkeit des Behandlers vergrößert, sich auf den Patienten und dessen Erleben zu konzentrieren und einzulassen. Mit  zunehmender Übung wird mit der fallbezogenen Theorievermittlung die Einsicht in die ablaufende Kommunikation und damit die kommunikative Kompetenz erweitert. Über die Krankheit als vordergründigen Kontaktanlass hinaus kann so leichter die Gesamtpersönlichkeit des Gegenübers und der Ganzheitsaspekt der therapeutischen Beziehung im Auge behalten werden. Dies führt im Alltag des Arztes und Therapeuten zu einer wirkungsvolleren Therapie und geringerem emotionalem Kraftaufwand.

Die Teilnahme an einer Balintgruppe ist im Rahmen der Facharztweiterbildungen Allgemeinmedizin, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Psychotherapeutische Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, sowie für die Erlangung der Zusatzbezeichnung „Psychotherapie“ und für die Teilnahme an dem Curriculum „Psychosomatische Grundversorgung“ der Bundesärztekammer obligat.

Dr. med. Olaf Templin leitet seit 2006 Balintgruppen